Masken und Kostüme

Venedig liebte es, sich seinen Gästen glanzvoll zu zeigen, die Besucher in Erstaunen und Bewunderung zu versetzen. Nirgendwo in Europa wurde so deutlich wie in Venedig Jahrhunderte lang der Karneval mit Pomp und Phantasie zelebriert. Der Karneval, in dem die ganze Vitalität Venedigs ihren Ausdruck fand, zog für volle fünf Monate im Jahr fast 30.000 Fremde aus aller Welt an.

Das klassische Maskenkostüm des 17. und 18. Jahrhunderts war die "Maschera Nobile", die vornehme Maske. Sie wurde Bautta genannt und sie war vorgeschrieben für das Betreten des Spielsaales (ridotto) und des Theaters. Außerdem wurde dem Träger zu allen Häusern bis in den Palast des Dogen Zutritt gewährt. Die Bautta trugen Herren und Damen gleichermaßen. Dieses typisch venezianische Kostüm konnte an Festtagen und vom 15. Oktober bis zum 16. Dezember getragen werden, allerdings nur nachmittags und selbstverständlich während des Karnevals, der schon am 26. Dezember begann. Die Bautta war eine Sonderform des Domino (ein Mantelumhang mit Kapuze als Regen- und Kälteschutz), der wegen seiner verhüllenden Form als charakteristisches venezianisches Maskenkostüm getragen wurde. Auf Gemälden der venezianischen Maler Longhi und Guardi ist diese gespenstische Tracht häufig zu sehen. In der Karnevalszeit lautete die allgemeine Anrede für jedermann "Sior Maschera" (Signora Maschera). Es gab in diesem Zeitraum weder zwischen Ständen noch zwischen den Geschlechtern einen Unterschied. Die Maske machte alle einander gleich. Schon früh fanden neben diesem Kostüm die Masken der Commedia dell'arte-Figure Eingang in den Karneval.

Als Napoleon im Jahre 1797 Venedig eroberte, ist der Karneval mit der Republik untergegangen. Der Karneval war Napoleon unheimlich. Die Angst, dass jemand ein Attentat auf ihn begehen könnte, war der Grund dafür, dass Napoleon den Karneval verbieten ließ. Im Jahre 1979 wurde der Karneval wieder zum Leben erweckt, indem man die ganze Stadt zur Bühne erklärte und alle Bewohner aufforderte, sich die Maske aufzusetzen. Heutzutage dauert der venezianische Karneval nur noch zehn Tage lang. In diesen zehn Tagen aber beherrschen die Sior Maschera mit allen anderen phantasievollen Masken die Menschen und ihre Stadt; eine Stadt, die sich als Theaterkulisse geradezu anbietet. Es kommen dann auch Masken mit ihren Kostümen aus anderen Städten und Ländern nach Venedig. Die zum Abschluss des Dante-Jubiläums gezeigten Masken und Kostüme aus Wiesbaden waren teilweise auch in Venedig preisgekrönt.