Elsa Margherita Dr. Freifrau von Zschinsky

Gründerin der Società Dante Alighieri Wiesbaden

Elsa Margherita Dr. Freifrau von Zschinsky, geborene Troxler, war eine ungewöhnlich intelligente, musikalisch, literarisch und sprachlich vielseitig gebildete Dame im wahrsten Sinne des Wortes, war von Geburt Italienerin - geboren am 27. Juli 1890 in Mailand, jener Stadt Italiens, in der sich alte Kultur und moderner Geist am lebendigsten verschwisterten - , durch ihre Eltern, Ferdinand und Maria Troxler, Schweizerin und durch frühe Heirat mit dem Polizeipräsidenten Freiherr von Zschinsky, der im letzten Kriege von Dresden nach Wiesbaden versetzt wurde, Deutsche.

Nach Abschluss ihrer Schulbildung studierte Dr. Freifrau von Zschinsky Musik in Mailand und setzte ihr begonnenes Musikstudium an der Universität Leipzig fort. Sie fand eine gründliche Ausbildung bei Lehrern wie Max Reger und Carl Flech, bei dem sie ihr Geigenspiel vollendete. Der Tonkunst ebenso verbunden wie den Wissenschaften und der Sprache, schuf sie sich als Konzertgeigerin einen ebenso geschätzten Namen wie als Musikschriftstellerin. Erst nach ihrer Heirat studierte sie Literatur und Sprachen an der Universität Leipzig und promovierte 1939 zum Dr. phil.

Ihre besondere Liebe galt neben der Musik und dem Leben Mozarts immer der italienischen Sprache und Kultur, für die sie sich in Vorträgen im In- und Ausland einsetzte und auch als Dolmetscherin betätigte. Die Einrichtung der italienischen Sprachkurse in der Wiesbadener Volkshochschule ist ihr Werk; Vortrags- und Informationsreisen führten sie immer wieder nach Mailand, Rom, Venedig und Florenz. Immer agil und von Eifer erfüllt, kritischen Geist mit südlicher Grandezza verbindend, war Elsa Margherita von Zschinsky beiden Nationen von ganzem Herzen zugetan, gehörte sie gleichsam ihnen beiden an. Sie richtete ihre ganze Arbeitskraft auf das eine Ziel: Das Verständnis für die italienische Kultur zu verbreiten und zu vertiefen und mit vielfältigem Brückenschlag zwischen Deutschland und Italien zugleich einen wesentlichen Beitrag für das Zusammenwachsen der europäischen Völkergemeinschaft zu leisten.

Die gleiche Aktivität, die sie schon in Leipzig auszeichnete, entfaltete Dr. Freifrau von Zschinsky auch nach ihrer Übersiedlung in Wiesbaden. Sie gründete am 16.09.1951 die Società Dante Alighieri Wiesbaden. Erster Präsident wurde Herr Staatsintendant Köhler-Helfrich von 1951 bis 1953. Nach zwei Jahren musste er aus beruflichen Gründen dieses Amt abgeben. Am 17. 09.1953 wurde die Gründerin, Dr. Freifrau von Zschinsky zur Präsidentin gewählt. Sie führte die Dante Wiesbaden 4 Jahre von 1953 bis 1957. Die hohen Gaben ihres Geistes, ihr großer künstlerischer Sinn, ihre Liebe zu ihrem Jugendland Italien setzten sie instand, Großes zu leisten.

Die Veranstaltungen der Dante-Gesellschaft, für die sie jeweils hervorragende Persönlichkeiten von Kunst, Literatur und Musik verpflichtete, bildeten den Mittelpunkt einer gepflegten Geselligkeit, der sie mit liebenswürdiger Grandezza, elegant und sicher vorzustehen wusste. Dr. Freifrau von Zschinsky war von ihrer Mission ganz und gar erfasst und erfüllt. Höhepunkt ihres Wirkens waren die zwei Deutsch-Italienischen Kulturwochen im Mai 1953 und Oktober 1955 sowie zwei bedeutsame und inhaltsreiche Festschriften, die den Kulturwochen folgten.

Wie hoch ihre Verdienste um die deutsch-italienischen Kulturbeziehungen hier und dort eingeschätzt wurden, kam nicht zuletzt in einer Reihe von Auszeichnungen in Deutschland und Italien zum Ausdruck. So bekam sie am 18.12.1954 die Goethe-Plakette in Anerkennung der besonderen Verdienste im kulturellen Leben des Landes Hessen von Kultusminister Arno Hennig. Herr Hennig war seinerzeit auch Schirmherr der Società Dante Alighieri Wiesbaden und hat die Gesellschaft sehr gefördert.

Mitglieder und Vorstand der Dante Wiesbaden blickten auf die Baronin als die Seele dieser Institution. Am 9. Mai 1957 starb die Präsidentin. Sie war am gleichen Tag zum letzten Mal nach außen als Präsidentin hervorgetreten; bei einer Veranstaltung der Dante Wiesbaden hatte sie die begrüßenden Worte gesprochen. Wenige Stunden darauf war ihr Leben erloschen. Eine große und erlesene Trauerversammlung nahm Abschied von Dr. Freifrau von Zschinsky. Sie wird für die Dante-Gesellschaft Wiesbaden unvergessen bleiben.

Hartmut Röhrbein, Ehrenpräsident