Dante Alighieri (1265 - 1321)

Dante Alighieri wurde im Mai des Jahres 1265 als Sohn des Rechtsgelehrten Alighieri auf dem elterlichen Landsitz vor den Toren von Florenz geboren. Seine Mutter starb bald nach seiner Geburt. Kurz vor ihrem Tode soll sie einen Traum gehabt haben, in dem ihr der kleine Dante erschienen sei - sie habe den Knaben unter einem Lorbeerbaum gesehen, wie er sich von den herabfallenden Blättern ernährte und allmählich in einen Pfau verwandelte, der schließlich der Sonne entgegen flog. Die Ammen und Gevatterinnen weissagten ihm aus diesem Grunde eine ruhmreiche Zukunft.

Dante hat die Literatur der Antike und die seiner Zeit studiert sowie Philosophie und Theologie. Hier vertiefte er insbesondere seine Kenntnis der Ideale des Franz von Assisi, die in seinem späteren Hauptwerk der "Divina Commedia", deutlich hervortreten. Sein Werk spiegelt in einzigartiger Weise die Kultur des Mittelalters. Dante wuchs in einer durch politische Wolken ständig bedrohten Zeit heran. Er selbst wurde Politiker, gehörte der Partei der Ghibellinen an, der Kaiserlichen, die im Gegensatz zu den Guelfen (Päpstlichen) stand.

Im Alter von neun Jahren sieht Dante zum ersten Mal die gleichaltrige Beatrice, die sein Herz, seine Gedanken, aber vor allem sein dichterisches Werk bestimmen wird. Beatrice war die Tochter des reichen Florentiners Folco Portinari. Sie wird zur Muse seines Werkes und ist die Personifikation der Liebe, weniger der körperlichen als der göttlichen Liebe. Als Dante 1283 eine zweite Begegnung mit Beatrice hat, sind vermutlich beide bereits verheiratet. Dante wurde mit 12 Jahren mit Gemma Donati verlobt, mit der er nach späterer Heirat zwei Söhne und eine Tochter hatte. Das Zusammenleben der Familie war nur von kurzer Dauer, da die Politik ihre Schatten über Dantes Leben warf. Bei der zweiten Begegnung mit Beatrice erwidert diese Dantes Gruß und inspiriert so Dantes reinste und idealste Liebe und legt damit sogleich die Wurzeln für sein Hauptwerk, die "Divina Commedia".

Mit 24 Jahren beteiligt sich Dante 1289 an den Kämpfen zwischen den papstreuen Guelfen und den kaisertreuen Ghibellinen. Er trat 1295, um an dem politischen Leben in Florlenz teilnehmen zu können, der Zunft der Ärzte, Apotheker und Maler bei. Durch sein Engagement und den Kampf für die Unabhängigkeit seiner Heimatstadt gegen die Einflussnahme des Papstes geriet er in eine für ihn verhängnisvolle Opposition. 1302 musste er alle Ämter und Güter abgeben, wurde aus Florenz verbannt und wenig später in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dante schrieb: Durch alle Gegenden Italiens bin ich irrend, fast bettelnd gezogen, in dem ich wider Willen die Wunde zeigte, die mir das Schicksal schlug. Das Brot fremder Herren ward mir salzig, schwer stiegen meine Füße über fremde Stufen. Seine beiden Söhne wurden ebenfalls aus Florenz vertrieben, und irrten in der Welt umher. Seine Frau, eine Donati, Tochter des Führers der Gegenpartei, lebte geduldet in Florenz.

Als in Florenz eine gemäßigtere Partei ans Ruder gelangt, bietet man auch Dante gegen eine "Sühnezahlung" die Rückkehr in die Vaterstadt an, aber dieser verzichtet in einem stolzen Antwortbrief darauf. Auf der Flucht schreibt er später in einsamen Stunden an der "Komödie", die erst spätere Generationen die "Göttliche" nennen. Er fühlt sich als demütiger Vollender der Gedanken Gottes.

Bevor Dantes Meisterwerk "Die Göttliche Komödie" erschien, schrieb er noch einige kleinere Werke. Interessant ist ebenfalls das lateinische Werk "De Monarchia" (zwischen 1312 und 1313 entstanden), das sich mit der Funktion und der Zukunft des Papst- und Kaisertums auseinandersetzt und Dante damit zum verantwortungsbewussten Historiker, Staatsphilosophen und Politologen wird. Ein fester Moralbegriff und ein unerschütterlicher Glaube, dass der Mensch im Diesseits das Jenseits beeinflussen kann, macht aus Dante einen ausgewiesenen Humanisten. Dantes Überzeugung war, dass sein Werk exemplarische Gültigkeit und Wahrheit besitzen und eine wichtige Funktion im Erkenntnis- und Erlösungsprozess der Menschheit übernehmen sollte. Damit vertritt er die Überzeugung, dass der Dichtung eine verantwortungsvolle Mission zukommt.

Die Dünste der Lagunenstadt Venedig werfen ihn aufs Krankenlager, leidend kehrt er nach Ravenna zurück. Im 54. Lebensjahr vollendet er in Ravenna die "Komödie" und zwei Jahre später, am 14. September 1321, stirbt Dante in Ravenna. Guido Novello lässt Dantes sterbliche Reste, geschmückt mit dem Zeichen des Lorbeers, feierlich bestatten; ein geplantes Denkmal kann nicht mehr errichtet werden, weil Guido Novello bereits 1322 aus Ravenna vertrieben wird. Als man im Jahre 1865 die 600-jährige Wiederkehrt des Geburtstages Dantes feiert, erhält diese Festlichkeit ihre besondere Bedeutung durch eine Entdeckung, die man kurz vorher im Kreuzgang der Franziskaner Kirche in Ravenna gemacht hat: bei Ausschachtungsarbeiten fand man in einer Holzkiste Dantes Gebeine unweit des Grabmals in die Wand eingemauert. Lange Zeit hielten die Franziskanermönche die sterblichen Überreste des Dichters versteckt, um sie vor dem Zugriff der Florentiner zu schützen, die sich nach dem Tod des Dichters wieder ihres berühmten Sohnes erinnert hatten.

Erst 1865 wurde die Graburne in einem kleinen klassizistischen Tempel bestattet. Pilgerstätte des bedeutendsten italienischen Dichters ist die Tomba di Dante. Südlich der Piazza del Popolo in Ravenna liegt die Tomba di Dante, die Grabstätte des großen florentinischen Dichters, der mit Petrarca und Boccaccio das Dreigestirn der italienischen Literatur bildet. Dante Alighieri ist sicherlich die herausragendste Dichtergestalt in der italienischen Literatur und zugleich der Schöpfer des neuzeitlichen italienisch. Die Società Dante Alighieri Wiesbaden hat bei ihren Italienreisen mehrmals die "Tomba die Dante" besucht.

Hartmut Röhrbein